Israel vertreibt Tausende aus Hebron nach Tod zweier Soldaten
Hebrons Bürgermeister: 2.200 Menschen nach dem Tod zweier israelischer Soldaten vertrieben, während Israel das Westjordanland vor der Wahl abriegelt.

Hebron — Israel hat Hebron abgeriegelt und Tausende Palästinenser aus ihren Häusern vertrieben, nachdem bei einer Schießerei am Freitag zwei israelische Soldaten auf einem Reservestützpunkt der Armee in der besetzten Westjordanland-Stadt getötet wurden. Die Vertriebenen dürfen nicht zurückkehren, solange das Militär, wie Al Jazeera berichtet, „alle Hamas-Probleme in Hebron“ nicht bewältigt hat, so Israels Verteidigungsminister. Ein Ende des Zeitplans ist nicht absehbar.
Die Zahlen variieren je nach Quelle. Hebrons Bürgermeister Yousef al-Ja'bari sagte Al Jazeera, 2.200 Menschen seien aus ihren Häusern vertrieben worden; Israels Verteidigungsminister Israel Katz bestätigte, „etwa 2.000“ seien vertrieben worden. Ein palästinensischer Beamter bezifferte die Zahl auf rund 1.200, weitere 1.300 könnten folgen, so France 24, während Euronews von rund 250 Familien berichtete, die entfernt wurden. Bewohner sagten, die Räumungsbefehle seien spät in der Nacht über Lautsprecher verkündet worden, ohne Zeit zur Vorbereitung.
Bei dem Angriff am Freitag durch zwei palästinensische Bewaffnete wurden die beiden Soldaten getötet; laut Al Jazeera kamen außerdem zwei Palästinenser ums Leben. Premierminister Benjamin Netanjahu ordnete daraufhin eine „vollständige Abriegelung“ des Westjordanlands an. In mindestens 15 Gebieten, von Dschenin und Nablus im Norden bis Bethlehem im Süden, folgten Razzien, und laut der Palästinensischen Gefangenengesellschaft wurden etwa 70 Palästinenser festgenommen.
„Diese Sperren schränken die Bewegungsfreiheit der Palästinenser, den Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen und ihre Lebensgrundlagen stark ein“, sagte UN-Generalsekretär António Guterres und äußerte sich besorgt über die Sperren und die berichteten Abrissmaßnahmen in Hebron.
Die Palästinensische Autonomiebehörde bezeichnete die Operation als „kollektive Bestrafung“ und forderte ein internationales Eingreifen, wie die Nachrichtenagentur Wafa berichtete. Die Hamas erklärte, die Eskalation werde „nur weitere Empörung schüren“. Der Hintergrund ist politisch: Die Israelis wählen am 27. Oktober, und der Korrespondent von Al Jazeera sagte, Netanjahus Koalition, die in Umfragen zurückliegt, stelle sich als Kämpferin gegen die Palästinenser dar. Das Gouvernement Hebron, in dem rund 800.000 Menschen leben, ist das bevölkerungsreichste im Westjordanland, und ein Aktivist sagte Al Jazeera, die Bewohner stünden nun „unter Belagerung“. Die Wahl am 27. Oktober wird zeigen, ob sich die harte Linie auszahlt.
Quellen
Dieser Artikel basiert auf Berichterstattung von:
- France 24 Israel begins demolitions in West Bank
- Al Jazeera More than 2,000 forced from homes in Hebron amid Israel’s West Bank raids | Occupied West Bank News | Al JazeeraplayShow navigation menuplaysearchcaret-leftcaret-rightListenshare-nodesfacebookxwhatsapp-strokecopylinkgoogleinfoaj-logoaj-logoaj-logofacebooktwitteryoutubeinstagram-colored-outlinerssblueskytiktok-colored-outline
- Euronews Israel removes around 250 Palestinian families from West Bank city of Hebron after soldier deaths | EuronewsNewsletterEventsLoaderNewsletterEventsLoaderSearch


