Montag, 2. November 2026

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Bulgarien wählt erste Präsidentin in Stichwahl um Ukraine-Kurs

Iliana Yotova gewann die Stichwahl mit 57,6 % gegen den proeuropäischen Andrey Gyurov bei einer Wahlbeteiligung unter 30 %.

Eine ruhige Straße mit Oberleitungen für Oberleitungsbusse und Wohnblocks in einer Hauptstadt auf dem Balkan
Eine Wohnstraße in Sofia. Laut einem Meinungsforschungsinstitut stimmten jüngere Wähler überwiegend für Yotovas unterlegenen Rivalen. Illustration.

— Die Bulgaren haben Iliana Yotova zur ersten Präsidentin des Landes gewählt. Der Amtsinhaberin gelang am Sonntag in der Stichwahl ein klarer Sieg. Die Wahl entwickelte sich zu einem Referendum über den Krieg in der Ukraine und über Sofias Standort zwischen Russland und dem Westen.

Yotova erhielt 57,6 % der Stimmen, Andrey Gyurov, der frühere geschäftsführende Ministerpräsident, kam auf 39,5 %. Das meldet DW unter Berufung auf die amtlichen Ergebnisse. Die Wahlbeteiligung lag unter 30 %, nachdem die meisten Oppositionsparteien, darunter die konservative GERB des früheren Ministerpräsidenten Boyko Borisov, auf eine eigene Kandidatur verzichtet hatten.

Ministerpräsident Rumen Radev, dessen Partei Progressives Bulgarien Yotova unterstützte, hatte die Wähler aufgefordert, sich „zwischen Krieg und Frieden“ zu entscheiden. Yotova lehnt militärische Hilfe für die Ukraine ab, setzt auf Dialog mit Moskau und warb als selbsternannte „Friedenspräsidentin“. Sie versprach, kein bulgarischer Soldat werde in die Ukraine entsandt, obwohl die Verfassung diese Entscheidung dem Parlament vorbehält. Gyurov, der als entschieden proeuropäisch gilt, hatte im März ein Abkommen über die Zusammenarbeit in der Sicherheitspolitik mit Kiew unterzeichnet.

Die bulgarische Berichterstattung, die France 24 ausgewertet hat, konzentriert sich auf das Machtgefüge. Die Zeitung Capital schrieb, Radevs Lager kontrolliere nun Nationalversammlung, Regierung und Präsidentschaft. Als einziges Gegengewicht bleibe die Justiz. Dnevnik zeichnete Yotovas Karriere nach, von der Pressestelle der Sozialistischen Partei über Posten als Europaabgeordnete bis zu 9 Jahren als Vizepräsidentin.

Das Ergebnis legte zudem demografische Bruchlinien offen. Der Meinungsforscher Dimitar Ganev sagte DW, Wähler im Alter von 18 bis 40 Jahren sowie Einwohner Sofias hätten Gyurov bevorzugt, während Menschen über 40 und aus kleineren Städten Yotova „entschieden“ unterstützt hätten. Zusätzlich aufgeladen wurde der Wahlkampf durch Drohnenangriffe auf Schiffe im Schwarzen Meer, die weder Yotova noch Radev Russland zuschrieben. Das Europäische Parlament hat die EU aufgefordert, einen Marineeinsatz dort in Erwägung zu ziehen.

Yotovas Sieg beruhte auf einer breiteren Koalition als ihr Ergebnis im ersten Wahlgang mit 34,8 %, Gyurov kam dort auf 31,95 %. Die prorussische Partei Wasraschdane erreichte im ersten Wahlgang 12,5 % mit ihrem Kandidaten. Ganev schätzt, dass rund 70 % ihrer Wähler in der Stichwahl zu Yotova wechselten. Er sagte DW, mehr als zwei Dritteln der Bulgaren stelle die Ausrichtung des Landes auf EU und NATO nicht infrage. Der frühere Verteidigungsminister Todor Tagarev hielt dagegen, Bulgarien stünde unter ihrer Führung in beiden Bündnissen „in einer deutlich schlechteren Lage“.

Die nächste Probe für diese Behauptung folgt in Brüssel und am Schwarzen Meer: ob die EU-Mitglieder den vom Europäischen Parlament geforderten Marineeinsatz beschließen und wie Yotovas Präsidentschaft Bulgarien positioniert, während der Krieg in der Ukraine direkt vor der Haustür weitergeht.

Quellen

Dieser Artikel basiert auf Berichterstattung von:

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