Freitag, 23. Oktober 2026

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Netanjahu riegelt Westjordanland nach Hebron-Gefecht ab

Bei Hebron starben 2 israelische Soldaten und 2 palästinensische Bewaffnete; Netanjahu kündigt beispiellosen Einsatz im Westjordanland an.

Eine ruhige Straße am Stadtrand einer Stadt im Westjordanland in der Dämmerung
Eine Straße außerhalb von Hebron im besetzten Westjordanland, wo Israel nach einem tödlichen Feuergefecht an einem Checkpoint eine vollständige Abriegelung angeordnet hat. Illustration.

— HEBRON — Benjamin Netanjahu hat eine vollständige Abriegelung des besetzten Westjordanlands angeordnet und eine Militäroperation von einem Ausmaß angekündigt, wie es dort seit 1967 nicht mehr gab. Auslöser war ein langes Feuergefecht am Freitag nahe Hebron, bei dem 2 palästinensische Bewaffnete und 2 israelische Soldaten getötet wurden. Es ist 4 Tage bevor die Israelis bei einer knappen landesweiten Wahl abstimmen.

Laut der israelischen Armee eröffneten die beiden Angreifer das Feuer auf Soldaten an einem provisorischen Checkpoint vor Hebron, nachdem sie eine nahe gelegene Schnellstraße nicht erreicht hatten. Dort, so glaubt das Militär, wollten sie Zivilisten angreifen. Eine vorläufige militärische Untersuchung ergab, dass das Gefecht mehr als 20 Minuten dauerte, berichtete The Guardian.

Ein Fotograf der AFP, der auf dem Weg zu einem anderen Einsatz war, beobachtete das Gefecht am Checkpoint Farsh al-Hawa. Er sah, wie zwei palästinensische Männer mit einer Handfeuerwaffe und einem Sturmgewehr das Feuer auf israelische Kräfte erwiderten, bevor Soldaten sie erschossen. Die Armee teilte mit, 2 ihrer Soldaten seien „im Gefecht gefallen“ und 3 weitere verletzt worden. Rettungskräfte hatten zuvor von 5 Verletzten gesprochen, 2 davon schwer, laut The Hindu.

Netanjahu sagte, die Hamas plane „einen großen Angriff, der unschuldige Zivilisten ermorden soll“, und kündigte an, Truppen würden in das Viertel der Angreifer vordringen, Bewohner evakuieren, Haus für Haus durchsuchen und „terroristische Infrastruktur“ zerstören. Als Vorbild nannte er das Vorgehen in den Flüchtlingslagern im Norden des Westjordanlands im Rahmen der Operation „Eiserne Mauer“, die im Januar 2025 begann und laut dem UN-Menschenrechtsbüro Zehntausende zwangsweise vertrieben hat. Die Hamas, die keine Verantwortung übernahm, lobte den Angriff in Hebron als „heldenhafte Operation“ und rief zu weiteren auf.

Finanzminister Bezalel Smotrich ging noch weiter und forderte eine Kampagne „genau wie in Gaza“, um die Palästinensische Autonomiebehörde zu zerschlagen und ihr die Waffen abzunehmen. Menschenrechtsorganisationen warnten, die Regierung könnte den Anschlag nutzen, um härtere Maßnahmen zu rechtfertigen und ihr Sicherheitsimage vor der Wahl am Dienstag aufzupolieren. Yariv Oppenheimer von Peace Now erklärte gegenüber Al Jazeera, er erwarte Hauszerstörungen, Ausgangssperren, Festnahmen und mögliche Racheangriffe von Siedlern.

Die Abriegelung ist die 4. im Gebiet innerhalb eines Monats. Seit Beginn des Gaza-Kriegs im Oktober 2023 wurden im Westjordanland mehr als 1.100 Palästinenser von israelischen Kräften oder Siedlern getötet; die Gewalt durch Siedler nahm während der Olivenernte stark zu, wie unter anderem die South China Morning Post berichtete.

Für die Palästinenser in Hebron stellt sich vor allem die Frage, wie lange die Abriegelung andauert und in welches Viertel die israelischen Kräfte zuerst vorrücken. Für Israel geht es darum, ob die angekündigte Operation kommt, bevor oder nachdem die Wähler am Dienstag ihre Stimme abgegeben haben.

Quellen

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