Rumänien beschuldigt Russland nach Drohnentreffer auf Frachter
Ein Seemann starb, drei werden vermisst, nachdem die Khoryv vor Constanța sank. Die NATO will die Überwachung im Schwarzen Meer verstärken.

Bukarest — Rumänien hat Russland für einen Drohnenangriff verantwortlich gemacht, der am Freitag ein Frachtschiff vor der Schwarzmeerküste des Landes versenkte. Dabei kam ein Besatzungsmitglied ums Leben, drei weitere gelten als vermisst. Es ist der bisher folgenschwerste Vorfall in einer zweiwöchigen Serie von Angriffen auf die Handelsschifffahrt in der Nähe von NATO-Gewässern.
Die unter komorischer Flagge fahrende Khoryv war mit zehn ukrainischen und drei aserbaidschanischen Seeleuten an Bord 13 Seemeilen vor dem Hafen Constanța getroffen worden, also knapp außerhalb der rumänischen Hoheitsgewässer, berichtete Al Jazeera. Das Schiff sendete gegen 10 Uhr Ortszeit ein Notsignal. Das rumänische Innenministerium teilte mit, ein nahe gelegenes Handelsschiff habe zehn Menschen aus dem Wasser gezogen; einer war bereits tot, drei werden noch vermisst. Wegen schlechten Wetters sei eine Suche per Hubschrauber ausgeschlossen worden, teilte die Marinebehörde mit.
Die Khoryv hatte am Mittwoch die Türkei in Richtung Sulina verlassen, den rumänischen Hafen, an dem die Donau ins Meer mündet. Dieser Kanal ist seit den russischen Angriffen auf die ukrainischen Schwarzmeerhäfen zur wichtigsten Ausfahrt für ukrainische Exporteure geworden. Laut Al Jazeera wurden in den vergangenen zwei Wochen vor Rumänien und Bulgarien mindestens sieben Frachtschiffe getroffen, wobei 30 Seeleute als tot oder vermisst gemeldet wurden.
Präsident Nicușor Dan nannte die Versenkung „eindeutig Teil der Eskalation, die Russland im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine betreibt“, und forderte Moskau auf, die Waffenstillstandsvorschläge der Vereinigten Staaten und Europas anzunehmen. Ministerpräsident Luca Niculescu, der erst in dieser Woche nach monatelanger politischer Blockade vereidigt wurde, schrieb auf Facebook, der Angriff sei „inakzeptabel und stellt einen offenkundigen Verstoß gegen das Völkerrecht dar“. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete die Angriffe als „rücksichtslos“. Russische Offizielle äußerten sich zunächst nicht öffentlich; Moskau hat eine Verantwortung für Drohnenangriffe in der Region bislang zurückgewiesen, berichtete The Hindu.
Die Versenkung reiht sich in zwei nervenaufreibende Wochen in Bukarest ein. Rumänische Kampfflugzeuge schossen am vergangenen Wochenende zwei russische Drohnen über nationalen Gewässern ab, und sieben Besatzungsmitglieder des Chemikalientankers Wine Trader gelten seit dem 15. Oktober als vermisst, nachdem ein Drohnenangriff und ein Brand das Schiff getroffen hatten. Am Donnerstag erklärte der Oberste Rat für die Nationale Verteidigung, die Bedrohungen für die Schifffahrt und die kritische Infrastruktur hätten sich „deutlich erhöht“. Zugleich kündigte er an, die Investitionen in maritime Überwachung, Minenabwehr und Drohnenabwehr zu beschleunigen.
Der nächste Prüfstein ist die Umsetzung durch die NATO. Das Bündnis erklärte am Dienstag, es werde zusätzliche Patrouillenflugzeuge, Radarsysteme und Drohnen ins Schwarze Meer verlegen. Außenminister Dan Neculaescu sagt, Rumänien arbeite mit Bulgarien und der Türkei daran, diese Fähigkeiten „zu beschleunigen“. Ankündigungen sind jedoch noch keine Verlegungen: Man sollte darauf achten, wann und wo die zusätzlichen Flugzeuge tatsächlich eintreffen.
Quellen
Dieser Artikel basiert auf Berichterstattung von:
- Al Jazeera Romania blames Russia after drone sinks ship in the Black Sea | Russia-Ukraine war News | Al JazeeraplayShow navigation menuplaysearchcaret-leftcaret-rightListenshare-nodesfacebookxwhatsapp-strokecopylinkgoogleinfoaj-logoaj-logoaj-logofacebooktwitteryoutubeinstagram-colored-outlinerssblueskytiktok-colored-outline
- The Hindu Romania blames Russia for new deadly attack on ship


