UN-Untersuchung: Völkermord in Gaza hält nach Waffenruhe an
UN-Kommission: Israelische Streitkräfte haben auch nach der Waffenruhe vom Oktober 2025 Kriegsverbrechen und Völkermord begangen, 1.431 Tote seither.

Eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen ist zu dem Schluss gekommen, dass die israelischen Behörden und Streitkräfte auch nach der Waffenruhevereinbarung für Gaza vom Oktober 2025 weiterhin Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord im besetzten palästinensischen Gebiet begangen haben, berichtete The Hindu.
Die Feststellung stammt von der Unabhängigen Internationalen Untersuchungskommission zum Besetzten Palästinensischen Gebiet einschließlich Ost-Jerusalems und Israels in einem Bericht, der am 14. Oktober der UN-Generalversammlung vorgelegt wurde. Er untersucht Tötungen sowie schwere körperliche und seelische Schäden, die seit Oktober 2023 von israelischen und palästinensischen Sicherheitskräften verursacht wurden, und stellt sie in den Kontext der Resolution 181 der Generalversammlung von 1947, mit der das britische Mandat endete und der Teilungsplan verabschiedet wurde.
Die Zahlen sind erschütternd. Vom 7. Oktober 2023 bis zum 9. Oktober 2025, so der Bericht, wurden mehr als 72.600 Palästinenser im Gazastreifen und mehr als 1.000 im Westjordanland getötet. Vom 10. Oktober 2025 bis zum 30. September 2026 – also nach Inkrafttreten der Waffenruhe – wurden weitere 1.431 Palästinenser im Gazastreifen und 137 im Westjordanland getötet.
Die Kommission stellte fest, dass auch nach der Waffenruhe weiterhin ungelenkte Munition eingesetzt wurde. Dies widerspricht einem Mai-Bericht des Board of Peace an den Sicherheitsrat, wonach die Waffenruhe weitgehend gehalten und „enorme Erleichterung für die Zivilbevölkerung“ gebracht habe. Israelische Vertreter führen die Angriffe auf Verstöße gegen die Waffenruhe zurück. Der Bericht erwähnt außerdem, dass Premierminister Benjamin Netanjahu am 28. Mai erklärt habe, er habe die israelischen Streitkräfte angewiesen, 70% des Gazastreifens einzunehmen.
Rechtlich kam die Kommission zu dem Schluss, dass die israelischen Behörden und Sicherheitskräfte die Verbrechen gegen die Menschlichkeit der Ausrottung, Folter, Vergewaltigung und Verfolgung sowie die Kriegsverbrechen des vorsätzlichen Tötens und der vorsätzlichen Verursachung schwerer Verletzungen begangen haben. Die Tötung und Verletzung von Kindern sowie sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt zählten zu den Elementen, die einen spezifischen genozidalen Vorsatz belegen. Israelische Streitkräfte seien für rund 95% der Tötungen von Palästinensern im Westjordanland seit Oktober 2023 verantwortlich, so das Ergebnis. Dem Personal sei es dort zudem untersagt, gegen jüdische Israelis tödliche Gewalt anzuwenden.
Der Bericht beschreibt die Wahrnehmung der Palästinenser und eines möglichen palästinensischen Staates als „eine Bedrohung für Israel und den Wunsch, die palästinensische Bevölkerung zu verringern“. Dies begünstige eine nachsichtige militärische Kultur, berichtete The Hindu.
Die Kommission kritisierte auch die Palästinensische Autonomiebehörde, unter anderem wegen der Verfolgung von Menschenrechtsverteidigern und weitverbreiteter sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt, mit der Aktivistinnen zum Schweigen gebracht würden. Der Bericht liegt nun bei der Generalversammlung. Als Nächstes gilt es zu beobachten, ob die Mitgliedstaaten auf seine Feststellungen reagieren, wenn die Versammlung das Thema aufgreift.
Quellen
Dieser Artikel basiert auf Berichterstattung von:


