Trump: Flávio Bolsonaro darf unbegrenzt in den USA bleiben
Trump sagt, der unterlegene brasilianische Kandidat dürfe so lange in den USA bleiben, wie er wolle, und erschwert die Annäherung an Brasília.

Palm Beach, Florida — Präsident Donald Trump sagte am Samstagabend, der unterlegene brasilianische Präsidentschaftskandidat Flávio Bolsonaro könne unbegrenzt in den Vereinigten Staaten bleiben, wie The Hindu berichtete. Die Äußerungen, die Trump bei einer Halloween-Party in seinem Club Mar-a-Lago gegenüber Reportern machte, deuten darauf hin, dass die Beziehungen zwischen den beiden größten Demokratien der westlichen Hemisphäre angespannt bleiben könnten.
„Er kann so lange hier bleiben, wie er möchte“, sagte Trump über Bolsonaro, der Brasilien verlassen hatte, nachdem er die Wahl gegen den linken Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva verloren hatte, obwohl er in den meisten Umfragen vorn gelegen hatte. Trump fügte hinzu, die Wahl sei seiner Ansicht nach eine Schande gewesen; unabhängige Beobachter bezeichneten sie dagegen als frei und fair.
Bolsonaros Abreise folgte auf die Entscheidung eines Richters am brasilianischen Obersten Gerichtshof, ihm kurz nach seiner Niederlage den Pass zu entziehen. Gegen ihn laufen zwei bundesstaatliche Ermittlungen wegen Geldwäsche, und die brasilianische Polizei stufte ihn als Fluchtgefahr ein. Er reiste mit einer humanitären Einreisegenehmigung (humanitarian parole) in die USA ein, wie Reuters berichtete – ein Status, der in der Regel ein Jahr gilt. Die brasilianische Botschaft in Washington äußerte sich zunächst nicht.
Die Äußerungen stehen im Widerspruch zu einer vorsichtigen Annäherung. Wenige Stunden zuvor hatte Außenminister Marco Rubio erklärt, er habe sich am Rande des G20-Außenministertreffens in Atlanta mit dem brasilianischen Außenminister Mauro Vieira getroffen und erwarte, ihn beim G7-Gipfel im kommenden Monat in Frankreich wiederzusehen, zu dem Brasilien als Beobachter eingeladen ist. Rubio bestand außerdem darauf, Washington sei „an keinem der Schritte direkt beteiligt gewesen“, die zu Bolsonaros Ausreise führten – obwohl Reuters und andere Medien berichtet haben, dass der Regierungsbeamte im Weißen Haus Jason Miller bei der Organisation der Reise geholfen habe.
Auf beiden Seiten steht politisch viel auf dem Spiel. Flávio Bolsonaros Vater, der rechtsextreme frühere Präsident Jair Bolsonaro, sitzt in Brasilien im Gefängnis, weil er nach seiner Niederlage bei der Wiederwahl 2022 einen Putsch geplant haben soll. Lula selbst verbrachte 2018 und 2019 17 Monate im Gefängnis, wegen Korruptionsvorwürfen, die später aufgehoben wurden. Flávio Bolsonaro hat sich als rechtmäßiger Anführer Brasiliens dargestellt, doch ein US-Beamter und eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagten Reuters, Trump plane derzeit nicht, seine Ambitionen zu unterstützen; Trump sagte am Samstag, er plane auch nicht, ihn zu treffen.
Nächster Prüfstein: das G7-Außenministertreffen in Frankreich im kommenden Monat, bei dem Rubio und Vieira erneut zusammentreffen sollen – und die einjährige humanitäre Einreisegenehmigung läuft nun gegen Trumps unbefristete Einladung.
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