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Serbien wählt: Studentenbewegung fordert Vučićs Partei heraus

Serbien wählt: Vučićs regierende SNS tritt gegen eine studentische Liste an, die aus dem Vordach-Unglück von Novi Sad 2024 hervorging.

Wähler stehen an einem bewölkten Morgen vor einem Wahllokal in einem Vorort von Belgrad Schlange.
Ein Wahllokal in Belgrad, wo die Wähler zwischen der regierenden SNS und einer studentischen Liste wählen konnten. Illustration.

— Die Serben haben am Sonntag bei einer Wahl abgestimmt, die laut France 24 die umstrittenste Parlamentswahl des Landes seit mehr als 14 Jahren war. Eine Studentenbewegung stellt die bisher stärkste Herausforderung für die Partei des langjährigen Machthabers Aleksandar Vučić dar.

18 Wahllisten treten um die Sitze des 250-köpfigen Parlaments an, doch Umfragen deuten darauf hin, dass das Rennen faktisch ein Referendum zwischen Vučićs rechtsgerichteter Serbischer Fortschrittspartei (SNS) und der von der Jugend getragenen Studentenliste ist. Laut Al Jazeera ergab eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage des Instituts Ipsos 47 Prozent für die SNS und 40 Prozent für die Studierenden, während andere Erhebungen die Studierenden vorn sahen.

Die vorgezogene Wahl, die Vučić im September angesetzt hat, folgt auf fast 2 Jahre Proteste. Ausgelöst wurden sie durch den Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad im Jahr 2024, bei dem 16 Menschen starben – ein Unglück, das die Demonstranten Korruption und Fahrlässigkeit anlasten. Die letzte Kundgebung der Bewegung vor der Wahl in Belgrad zog nach Angaben einer unabhängigen Protestbeobachtungsstelle, zitiert von The Hindu, rund 150.000 Menschen an.

Vučić, 56, legte im September das Präsidentenamt nieder, um nach zwei fast vollen Amtszeiten als Staatschef für das Amt des Ministerpräsidenten zu kandidieren. Sein Wahlkampf versprach höhere Renten, Lohnerhöhungen im öffentlichen Dienst und mehr Investitionen ins Gesundheitswesen. Die Studentenliste stellt 250 weitgehend unbekannte Kandidaten – Professoren, Sportler, Landwirte und Künstler, angeführt vom Kardiologen Ilija Srdanovic – unter dem Motto „Wir wissen, wie“ und verspricht, die Korruption zu bekämpfen und die Institutionen wieder aufzubauen.

Der Wahlkampf war von Spannungen geprägt. Beobachter äußerten sich besorgt über Festnahmen, die Kontrolle der Medien durch die Regierung und mutmaßliche Überwachung von Aktivisten. 24 serbische Organisationen der Zivilgesellschaft warnten wenige Tage vor der Wahl, dass die Voraussetzungen für freie und faire Wahlen fehlten. Vučić hat die Vorwürfe der Repression und Korruption wiederholt zurückgewiesen und behauptet, die Studierenden würden von ausländischen Agenten finanziert – ein Vorwurf, den diese bestreiten. Er hat erklärt, seine Seite werde eine Niederlage anerkennen, zugleich aber gewarnt, dass Proteste wegen angeblichen Wahlbetrugs nach einem Sieg der SNS niedergeschlagen würden.

Die Wahllokale öffnen um 7 Uhr und schließen um 20 Uhr Ortszeit. Erste Hinweise auf die Ergebnisse werden etwa 2 Stunden später erwartet. Die staatliche Wahlkommission dürfte das amtliche Endergebnis frühestens am Montag veröffentlichen. ACLED-Analystin Magda Anastasijevic sagte France 24, dass die Gewalt bei Wahlen in Serbien zunehme und eskalieren könne, „besonders wenn die Ergebnisse angefochten werden“. Der nächste Meilenstein ist die Auszählung am Montag – und, falls das Ergebnis knapp ausfällt, die Tage danach.

Quellen

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