Montag, 26. Oktober 2026

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Serbiens Studenten gewinnen Wahl – Vučić räumt Niederlage ein

Vučić räumt wenige Stunden nach Schließung der Wahllokale seine Niederlage ein. Die Studentenliste erreicht laut Prognosen 135 bis 140 der 250 Sitze.

Straße in Belgrad am Abend mit Café-Terrassen und entfernten Passanten
Eine Straße im Zentrum Belgrads, wo Tausende nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses feierten. Illustration.

— BELGRAD — Serbiens von Studenten getragene Bewegung hat sich bei der vorgezogenen Parlamentswahl am Sonntag zum Sieger erklärt und damit die 14-jährige Dominanz der rechtsgerichteten, populistischen Serbischen Fortschrittspartei (SNS) von Aleksandar Vučić beendet. Vučić räumte weniger als zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale seine Niederlage ein und erklärte seinen Anhängern, vorläufige Zahlen deuteten darauf hin, dass die Studentenliste auf 135 bis 140 der 250 Sitze im Parlament komme – eine absolute Mehrheit – gegenüber 105 für seine eigene Liste.

„Es ist klar, dass wir diese Wahl verloren haben“, sagte er laut Al Jazeera. Er machte außerdem ausländische Mächte für das Ergebnis verantwortlich und beschrieb es als „eine Revolution, die mit der direkten Unterstützung verschiedener europäischer Länder und des tiefen Staates der USA durchgeführt wurde“. Für diese Behauptung legte er keine Belege vor.

Die Bewegung entstand nach dem Einsturz eines Betonvordachs am Bahnhof Novi Sad am 1. November 2024, bei dem 16 Menschen starben und das weithin der Korruption angelastet wurde. Fast zwei Jahre Proteste – unter den größten seit dem Sturz von Slobodan Milošević im Jahr 2000 – verdichteten sich zu einer politischen Plattform, die den Kampf gegen Korruption, die Entpolitisierung öffentlicher Institutionen und die Wiederherstellung der Bürgerrechte verspricht. Vučić, der die Demonstranten als „Blockierer“ abgetan hatte, trat im September vom Präsidentenamt zurück und setzte die vorgezogene Wahl an, unter Verweis auf, wie er es nannte, „große Turbulenzen auf der innenpolitischen Bühne“.

Die Wahlbeteiligung war so hoch wie seit über drei Jahrzehnten nicht mehr bei einer serbischen Parlamentswahl. Wahlleiter erklärten, bis 18:00 Uhr, zwei Stunden vor Schließung der Wahllokale, hätten knapp 65 % der 6,4 Millionen registrierten Wähler ihre Stimme abgegeben – mehr als die knapp 61 % im Jahr 1993, wie The Hindu berichtete. Eine letzte Kundgebung vor der Wahl in Belgrad am Donnerstag zog nach Angaben eines unabhängigen Protestbeobachters rund 150.000 Menschen an.

In der Hauptstadt feierten am Sonntagabend Tausende mit hupenden Autos und Feuerwerk, berichtete Africanews. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gratulierte der Studentenliste und erklärte, Brüssel stehe bereit, Reformen bei Rechtsstaatlichkeit, Medienfreiheit und im Kampf gegen Korruption zu unterstützen. Auch der ungarische Ministerpräsident Péter Magyar, dessen eigener Sieg im April Viktor Orbáns Herrschaft beendete, sagte Unterstützung zu.

Die meisten der 250 Kandidaten der Liste sind Akademiker und Kulturschaffende ohne große politische Erfahrung; den Wahlkampf leitete Ilija Srdanović, Professor an der Medizinischen Fakultät in Novi Sad. Die unmittelbare Bewährungsprobe ist verfahrenstechnischer Natur: Die endgültigen Ergebnisse müssen bestätigt, ein designierter Ministerpräsident benannt und eine Regierung vom neuen Parlament bestätigt werden. Was ein Kabinett politischer Neulinge mit einer absoluten Mehrheit anfängt – und wie die SNS, die noch immer große Teile des Staatsapparats kontrolliert, reagiert – ist der nächste Entscheidungspunkt, den es zu beobachten gilt.

Quellen

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