Dienstag, 27. Oktober 2026

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UN warnt vor ethnischer Säuberung bei Razzia in Hebron

Volker Türk verlangt ein Ende der israelischen Operation in Hebron, die seit Freitag mehr als 3.000 Palästinenser vertrieben hat.

Eine Steingasse mit geschlossenen Läden in der Altstadt von Hebron im Westjordanland
Eine Straße in der Altstadt von Hebron im besetzten Westjordanland, aus deren Häusern Tausende ausgewiesen wurden. Illustration.

— Die israelische Militäroperation in Hebron hat seit Freitag mehr als 3.000 Palästinenser aus ihren Wohnungen vertrieben, teilte das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) mit. Der UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk warnte am Montag, dass das harte Vorgehen ernste Bedenken hinsichtlich ethnischer Säuberungen aufwerfe. Die Vertreibung erfolgt am Vorabend der israelischen Wahlen.

Die Operation begann, nachdem am Freitag 2 palästinensische Bewaffnete einen israelischen Militärkontrollpunkt nahe der Stadt unter Feuer genommen hatten. Dabei wurden 2 Soldaten getötet und 3 weitere verletzt, wie UN News berichtet. Beide Bewaffnete wurden getötet. Die israelischen Streitkräfte haben seither Wohnhäuser und Gewerbeimmobilien zerstört, viele Bewohner in ihren Häusern und unmittelbaren Nachbarschaften eingeschlossen und den Menschen die Bewegungsfreiheit genommen, sagte Türk.

„Die weitreichenden Schritte werfen schwerwiegende Bedenken hinsichtlich eines unnötigen und unverhältnismäßigen Gewalteinsatzes auf – dieser muss enden“, erklärte Türk in einer Stellungnahme. „Äußerungen hochrangiger israelischer Regierungsvertreter deuten darauf hin, dass die umgesetzten Maßnahmen strafenden Charakter haben und Angst einflößen sollen. Das ist inakzeptabel.“

„Kollektivstrafen sind ein schwerer Verstoß gegen das Völkerrecht“, warnte er und fügte hinzu, dass „Drohungen, ganze Viertel zu leeren und auszulöschen, ebenfalls ernste Bedenken hinsichtlich ethnischer Säuberungen aufwerfen“. Er forderte, allen Vertriebenen die Rückkehr in ihre Häuser zu ermöglichen, und dass Israel Entschädigung und Wiedergutmachung für rechtswidrige Räumungen und Abrisse sicherstellt. Ein französischer öffentlich-rechtlicher Sender berichtete, dass zunächst keine Reaktion der israelischen Regierung auf seine Erklärung vorlag.

Die Vertreibung in Hebron, über die Wide World News seit den ersten Razzien nach dem Anschlag am Kontrollpunkt berichtet, fällt in ein Rekordjahr der Siedlergewalt. Seit Jahresbeginn 2026 wurden mehr als 2.000 Angriffe von Siedlern mit Verletzten oder Sachschäden registriert – laut OCHA mehr als in jedem früheren erfassten Jahr – und weitere Angriffe über das Wochenende störten die Olivenernte.

In einem separaten Bericht, der am Montag der UN-Generalversammlung vorgelegt wurde, erklärten unabhängige UN-Ermittler, Israel habe Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit an Palästinensern begangen und begehe weiterhin Völkermord im Gazastreifen – Befunde, die Israel bereits zurückgewiesen hat. Die Mitglieder der Kommission sind unabhängige Experten und keine UN-Mitarbeiter.

Für die mehr als 3.000 Menschen, die nun bei Verwandten oder in provisorischen Unterkünften in Hebron Zuflucht suchen, ist die unmittelbare Frage einfacher: ob sie in ihre Häuser zurückkehren dürfen und ob das Zerstörte wieder aufgebaut wird.

Quellen

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