Binance-Hack: 6,3 Mrd. Dollar – wohl größter Krypto-Raub
Hacker erbeuten 6,3 Mrd. Dollar bei der weltgrößten Krypto-Börse; rund die Hälfte ist eingefroren, Nordkorea-Bezug vermutet.

Binance, die weltweit größte Kryptowährungsbörse, teilt mit, dass digitale Vermögenswerte im Wert von 6,3 Mrd. Dollar (4,7 Mrd. Pfund) von dem betroffen sind, was Analysten den größten Krypto-Diebstahl aller Zeiten nennen. Rund die Hälfte der betroffenen Werte wurde eingefroren, doch ein großer Teil bleibt in den Händen der Hacker. Das Unternehmen hat Auszahlungen gestoppt und verspricht, sämtliche Verluste der Kunden zu decken.
Der Großteil des Raubs spielte sich innerhalb von rund 20 Minuten ab, beginnend um 20:05 GMT am Donnerstag, aus den Wallets, über die Binance Transaktionen abwickelt, so TRM Labs, zitiert von MercoPress. Die Angreifer hatten 36 Stunden zuvor eine Betreiber-Wallet finanziert – ein Tempo, das TRM-Experte Ari Redbord als „das Ergebnis langer Vorbereitung“ bezeichnete. Binance-Co-CEO Richard Teng sagte, der Angriff „wurde nicht von einer einzelnen Person ausgeführt“: Als mutmaßlicher Einstiegspunkt gilt der kompromittierte Laptop eines Ingenieurs, doch später wurden „weitere Angriffspunkte“ entdeckt.
TRM Labs und Chainalysis erklärten, sie seien „mit hoher Sicherheit“ überzeugt, dass die Täter TraderTraitor sind, auch bekannt als Lazarus Group, die mit Nordkorea in Verbindung stehende Einheit, die das FBI für den Bybit-Hack über 1,5 Mrd. Dollar im Jahr 2025 verantwortlich machte – bis dahin der größte Fall der Branche, berichtete die BBC. Westliche Sicherheitsbehörden haben zuvor erklärt, solche Diebstähle finanzierten die Waffenprogramme Pjöngjangs; das Regime bestreitet eine Beteiligung, und seine Vertretungen reagierten laut France 24 nicht auf Anfragen um Stellungnahme. Eine offizielle Zuschreibung gibt es bislang nicht, allerdings erklärt der US Secret Service, er arbeite „rund um die Uhr“ mit Partnern daran, die Gelder aufzuspüren und zurückzuholen.
Die Geldspur teilt sich in zwei Richtungen. Stablecoin-Emittenten wie Tether, Circle, Ripple und World Liberty Financial – das Krypto-Projekt der Familie Trump – haben rund die Hälfte der gestohlenen Werte eingefroren. TRM schätzt jedoch, dass etwa 2,4 Mrd. Dollar in Bitcoin und Ether unerreichbar sind, weil kein Unternehmen diese Token sperren kann. Genau darin liegt das strukturelle Problem, das der Diebstahl offenlegt: Wie Jayant Dave von Check Point es formulierte, „Angreifer brauchen keine Tresorschlüssel mehr. Sie zielen auf die Systeme und Menschen, die befugt sind, sie zu nutzen.“
Die Märkte reagierten verunsichert. Bitcoin fiel um mehr als 4 % auf ein Sechswochentief von 76.368 Dollar, Ether sackte auf 2.178 Dollar ab, bevor sich die Kurse stabilisierten, berichtete France 24; die Aktie von Coinbase verlor 4,8 %, obwohl die Börse erklärte, nicht betroffen zu sein. Binance, das nach eigenen Angaben über 160 Mrd. Dollar an Kundenvermögen verwahrt, und zwar für mehr als 300 Millionen registrierte Nutzer, wird die Verluste aus seinem Schutzfonds, einer Bitcoin-Reserve über 1 Mrd. Dollar und eigenen Mitteln decken, so Teng. Die kleinere Plattform Binance.US ist nicht betroffen.
Die nächste Bewährungsprobe kommt schnell: Binance rechnet damit, die Auszahlungen innerhalb von rund 40 Stunden wieder aufzunehmen, und will am Montag einen vollständigen Proof-of-Reserves-Bericht veröffentlichen – das Dokument, das zeigen wird, ob die Bilanz die Kosten seines Versprechens tragen kann, alle Kunden schadlos zu halten.
Quellen
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