Fed hält Zinsen stabil, Inflation steigt vor US-Zwischenwahlen
Die Fed lässt die Zinsen bei 3,75–4 Prozent – trotz 3,7 Prozent Inflation, mit 10:2 Stimmen, sechs Tage vor den US-Zwischenwahlen.

Washington — Die US-Notenbank Federal Reserve hat die Leitzinsen am Mittwoch bei 3,75–4 Prozent belassen – ihre letzte geldpolitische Entscheidung vor den Zwischenwahlen am 3. November. Dies geschah, obwohl die Inflation weiter über dem Ziel der Notenbank liegt. Der 12-köpfige Offenmarktausschuss (FOMC) stimmte mit 10:2 Stimmen dafür, die Zinsen unverändert zu lassen; man brauche mehr Daten, bevor man sich erneut bewege, berichtete Al Jazeera.
Die beiden Gegenstimmen kamen von Gouverneurin Lisa Cook und der Präsidentin der Fed von Cleveland, Beth Hammack; beide wollten sofort eine Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt, berichtete The Hindu. Der Stillstand folgt auf die Zinserhöhung im September – die erste der Fed seit drei Jahren –, die auf Kritik von Präsident Donald Trump stieß. Dieser fordert Zinssenkungen und schrieb auf Truth Social: „Die Zinsen in den Vereinigten Staaten sollten bei 1% oder darunter liegen.“
Für eine straffere Geldpolitik spricht einiges. Die Verbraucherpreisinflation erreichte im September 3,7 Prozent, nach 3,4 Prozent im August, und nähert sich einem Dreijahreshoch; vor allem die Energiepreise trieben den monatlichen Anstieg. Die Fed verfehlt ihr Ziel von 2 Prozent inzwischen seit mehr als fünf Jahren. Ihre Erklärung wies in die andere Richtung: Die Wirtschaft „expandiert in einem starken Tempo“, die Beschäftigung hält mit dem Arbeitskräftepotenzial Schritt, und „die Ansammlung weiterer Informationen wird dem Ausschuss helfen, die geldpolitische Haltung zu bestimmen, die geeignet ist, eine zeitnahe Rückkehr der Inflation zum Ziel des Ausschusses von 2 Prozent sicherzustellen“.
Was die Preissteigerungen antreibt, ist umstritten. The Hindu verwies auf Trumps Krieg gegen den Iran, der Ende Februar begann und die Energiepreise in die Höhe trieb, sowie auf seine Zollpolitik und einen Investitionsboom in künstliche Intelligenz und die dahinterstehenden Rechenzentren. Die Arbeitslosenquote lag im vergangenen Jahr etwa bei 4,2 Prozent. Manche Analysten sehen ein Durcheinander: Wendy Edelberg vom Brookings Institution sagte AFP, falls im September eine Zinserhöhung sinnvoll gewesen sei, gebe es „einen ebenso zwingenden wirtschaftlichen Grund“, jetzt erneut zu erhöhen. Innerhalb der Fed sind die Meinungen geteilt – Aufsichtschefin Michelle Bowman sagte diesen Monat in Bangkok, sie sehe keine „Dringlichkeit für weitere Schritte“ und bevorzuge einen Ansatz des „Abwartens“.
Die Politik lässt sich nicht ausklammern. Die Inflation dominiert den Wahlkampf, in dem die Demokraten versuchen, beide Kammern des Kongresses den Republikanern von Trump abzunehmen; arbeitende Haushalte kämpfen trotz insgesamt solidem Wachstum, berichtete die South China Morning Post. Laut CME FedWatch hatten die Märkte eine Wahrscheinlichkeit von über 90 Prozent für den Stillstand eingepreist.
Die nächste Prüfung steht bald an: Der Bericht zu den Konsumausgaben (PCE) am Donnerstag, das bevorzugte Inflationsmaß der Fed, wird innerhalb weniger Stunden veröffentlicht. Danach trifft sich der Ausschuss am 8. und 9. Dezember zu seiner letzten Entscheidung des Jahres; aktuelle Prognosen deuten auf eine Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt hin.
Quellen
Dieser Artikel basiert auf Berichterstattung von:
- Al Jazeera Fed leaves interest rates unchanged despite inflation in the US | Business and Economy News | Al JazeeraplayShow navigation menuplaysearchcaret-leftcaret-rightListenshare-nodesfacebookxwhatsapp-strokecopylinkgoogleinfoaj-logoaj-logoaj-logofacebooktwitteryoutubeinstagram-colored-outlinerssblueskytiktok-colored-outline
- The Hindu U.S. Fed holds interest rates steady despite surging inflation
- South China Morning Post US Fed holds interest rates steady despite surging inflation
