Überlebende schildern Schrecken des Zugunglücks in Spanien
Überlebende schildern den Moment, als ein Zug Madrid–Sevilla bei Urda auf einen liegengebliebenen Zug prallte. Neue Aufnahmen werfen Fragen auf.

Urda — Überlebende des schwersten Zugunglücks in Spanien seit Jahren haben den Moment beschrieben, in dem ihr Hochgeschwindigkeitszug von Madrid nach Sevilla am Mittwochmorgen auf einen stehenden Zug auf derselben Strecke prallte. Dabei kamen nahe der Stadt Urda, südlich der Hauptstadt, mindestens 68 Menschen ums Leben, dutzende weitere wurden verletzt.
Josimar Medina, ein 37-jähriger Tourist aus Peru, berichtete The Guardian, dass er kurz vor 9 Uhr aufwachte und sich in seinem Waggon durch die Luft geschleudert fand. „Ich erinnere mich, dass ich durch die Luft flog und nach meiner Freundin suchte, die ebenfalls durch die Luft geschleudert wurde“, sagte er. Als er landete, sah er um sich herum schwer verletzte Passagiere.
Der staatliche Renfe-Zug mit 397 Passagieren prallte auf einen Iryo-Zug mit 147 Menschen an Bord, der rund 25 km weiter auf der Strecke nach einem angeblichen Computerausfall im automatischen Signalsystem liegen geblieben war, wie die BBC berichtet. Iryo erklärte, der eigene Zug sei „von hinten gerammt“ worden. France 24 meldete, die Zahl der Toten dürfte noch steigen, und sprach von einer der tödlichsten Katastrophen dieser Art in Europa in diesem Jahrhundert.
Audioaufnahmen, die spanische Medien wie El País und RTVE veröffentlicht haben, scheinen zu zeigen, dass der Renfe-Zug unter einem Reservesignalsystem mit normaler Geschwindigkeit weiterfahren durfte, obwohl der Lokführer des Iryo-Zugs der Leitstelle gemeldet hatte, sein Zug stehe am Einfahrsignal in Urda still. Verkehrsminister Óscar Puente nannte die Entscheidung, die Züge ohne Geschwindigkeitsbeschränkungen wieder fahren zu lassen, „unbegreiflich“.
Das Unglück ist der zweite tödliche Bahnunfall in Spanien innerhalb von zehn Monaten und hat eine politische Debatte verschärft. Irene Montero von Podemos sagte, Lokführer und Experten hätten seit Jahren vor einer Liberalisierung der Bahn gewarnt. Andere kritisierten die Veröffentlichung der Aufnahmen als „verachtenswert“. Ministerpräsident Pedro Sánchez, der den Unglücksort besuchte, erklärte, die Behörden arbeiteten „Tag und Nacht“ daran, „jedes letzte Detail dieser Tragödie“ aufzuklären und die Sicherheit zu erhöhen, damit sich so etwas nie wiederholt.
Spanien hat eine dreitägige nationale Trauerphase begonnen, und die meisten Parteien haben den Wahlkampf vor der vorgezogenen Wahl am 29. November ausgesetzt. Für die Familien in Urda und die Verletzten im Krankenhaus heißt es nun warten: auf bestätigte Namen und auf eine Untersuchung, die klärt, wie zwei Züge überhaupt auf denselben Streckenabschnitt gelangen konnten.
Quellen
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