Newsom wandelt alle 548 Todesurteile in Kalifornien um
Gavin Newsom wandelt alle 548 Todesurteile in Kalifornien in lebenslange Haft ohne Bewährung um und nennt staatliche Tötung „unvereinbar“ mit den Werten des Staates.

Los Angeles — Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom erklärte am Donnerstag, er wandle die Todesurteile aller 548 Insassen im Todestrakt des Bundesstaates in lebenslange Haft ohne die Möglichkeit auf Bewährung um. Die Todesstrafe sei mit den Werten des bevölkerungsreichsten Bundesstaates Amerikas „unvereinbar“.
Die pauschale Umwandlung gehört zu den größten dieser Art in der US-Geschichte und leert einen Todestrakt, der zu den größten der Welt zählt. Sie erfolgt, während Newsom, dem allgemein zugetraut wird, 2028 für das Weiße Haus zu kandidieren, nach 8 Jahren im Amt ausscheidet, wie France 24 berichtet.
„Heute handle ich aufgrund meiner langen und tief verwurzelten Überzeugung, dass wir als Gesellschaft – individuell wie kollektiv – stärker sind, wenn wir staatlich sanktionierte Tötung ablehnen“, schrieb Newsom in einem Brief an „alle Kalifornier“, wie CNA berichtete. Er räumte ein, dass „viele Kalifornier das Gefühl haben, dass diejenigen, die brutale Verbrechen begehen, den Tod verdienen“, erklärte jedoch, er sei zu dem Schluss gekommen, „der Staat kann sie moralisch nicht töten“. Es sei „eine der schwierigsten Entscheidungen meiner Karriere“.
In Kalifornien wurde seit 2 Jahrzehnten niemand hingerichtet, obwohl die Gerichte weiterhin Todesurteile verhängten. Newsom verhängte 2019 ein Hinrichtungsmoratorium, dennoch blieben Hunderte im Todestrakt. Die Wähler lehnten 2016 eine Volksinitiative zur Abschaffung der Strafe ab. Nach der Landesverfassung muss der Oberste Gerichtshof Kaliforniens Gnadenentscheidungen für jeden genehmigen, der mehr als einmal wegen eines Schwerverbrechens verurteilt wurde – eine rechtliche Hürde, die einige der Umwandlungen auf die Probe stellen könnte.
Newsom sagte, er habe sich für eine pauschale Anordnung statt Einzelfallprüfungen entschieden, um nicht „2 Klassen von Mordopfern“ zu schaffen – „solche, deren Täter die Todesstrafe verdienen, und die übrigen“. Er fügte hinzu: „Als Gouverneur trage ich allein die Verantwortung für diese Entscheidung und ihre Folgen, so wie ich allein die Verantwortung für jede Hinrichtung getragen hätte.“
Die American Civil Liberties Union, die argumentiert, die Strafe werde mit rassistischer Voreingenommenheit angewandt, begrüßte den Schritt. „Diese Umwandlungen spiegeln wider, was Gerechtigkeit verlangt: ein Ende einer rassistischen, fehleranfälligen und unmenschlichen Strafe“, sagte Geschäftsführer Anthony Romero. Die Angehörigen von Opfern standen im Zentrum von Newsoms eigener Begründung: Er habe darum gebetet, dass die Entscheidung „die Erinnerung an die Opfer dieser Verbrechen endlich von dem Schicksal derer trennt, die ihnen Leid zugefügt haben“.
Die Ankündigung fällt in eine erbitterte landesweite Debatte über Hinrichtungen – von Tennessees 2 gescheiterten Versuchen, Christa Pike im September eine tödliche Injektion zu verabreichen, bis zu Präsident Donald Trumps Absage eines Plans, die Erschießung von Nidal Hasan, dem Schützen von Fort Hood, live zu übertragen, nachdem es parteiübergreifenden Protest gegeben hatte. Die nächste Hürde ist verfahrensrechtlicher Natur: Der Oberste Gerichtshof Kaliforniens muss die Gnadenentscheidungen für Wiederholungstäter bestätigen, und seine Prüfung wird darüber entscheiden, ob alle 548 Umwandlungen Bestand haben.
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