Drohnenangriff auf Bahnhof in Dnipro: mindestens 14 Tote
Jet-Drohne traf Bahnsteig in Dnipro, mindestens 14 Tote. Selenskyj fordert neue Sanktionen und stellt Dieseldeal mit den USA infrage.

Dnipro — Eine von Russland eingesetzte Jet-Drohne hat am Donnerstag einen überfüllten Bahnsteig am Hauptbahnhof der zentralukrainischen Stadt Dnipro getroffen und dabei mindestens 14 Menschen getötet sowie mindestens 14 weitere verletzt, darunter einen 11-jährigen Jungen, wie der Gouverneur des Gebiets Dnipropetrowsk, Oleksandr Hanscha, mitteilte. Der Angriff traf eine der meistgenutzten zivilen Infrastrukturen des Landes: Ein Personenzug nach Saporischschja stand am Bahnsteig, als die Drohne einschlug.
Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte den Angriff „grauenhaft“ und erklärte gegenüber Verbündeten, er verlange eine Reaktion, wie The Japan Times berichtete. Russland habe eine Drohne gegen einen Bahnsteig eingesetzt, auf dem ein regulärer Nahverkehrszug und ein regulärer Personenzug standen, sagte er, und bekräftigte seine Forderung nach weiteren Sanktionen der USA, Europas und der G7 gegen Moskau.
Selenskyj richtete seine Kritik auch auf Washington und wiederholte seine Einwände gegen den in diesem Monat geschlossenen Deal zwischen Donald Trump und Wladimir Putin. Dieser lockerte einige Sanktionen und erlaubte den USA den Import russischen Diesels, eine Vereinbarung, die Kiew zufolge Moskaus Kriegswirtschaft wieder Geld zuführt, wie die BBC berichtete. Das russische Militär hat sich zu dem Angriff auf Dnipro öffentlich nicht geäußert. Moskau bestreitet, gezielt Zivilisten anzugreifen, und erklärt, seine Angriffe auf Bahnstrecken richteten sich gegen Infrastruktur, die dem Transport von Militärpersonal und Ausrüstung dient.
Die Bilanz dieser Kampagne wird immer düsterer. Von den 521 Lokomotiven, die seit Beginn der russischen Vollinvasion im Februar 2022 getroffen wurden, entfallen fast 60 Prozent auf dieses Jahr, so Angaben der ukrainischen Staatsbahn Ukrsalisnyzja gegenüber AFP. Insgesamt sind die Angriffe auf Bahnanlagen von 1.206 im Jahr 2025 auf 1.700 in diesem Jahr bislang gestiegen. Bahnchef Oleksandr Perzowskyj sagte, vor dem Angriff sei in Dnipro eine erhöhte Bedrohungsstufe ausgerufen worden, dennoch hätten sich viele Menschen auf dem Bahnsteig aufgehalten.
Am Donnerstag wurden zudem zwei 15-jährige Mädchen bei einem Raketenangriff auf das Zentrum von Tschernihiw getötet und mindestens 25 Menschen verletzt, wie Behörden mitteilten. In Krementschuk trafen Drohnen Wohnhäuser und eine Schule; dabei kamen drei Menschen ums Leben, 28 wurden verletzt. In Tschernihiw und Dnipro wurde für Freitag ein Trauertag ausgerufen. Die Angriffe fielen in eine brüchige lokale Waffenruhe im russisch besetzten Oleschky, die am dritten Tag anhielt. Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez erklärte, er sei mit einer Delegation auf dem Weg in die Stadt.
Die unmittelbare Bewährungsprobe ist politischer Natur: Ob Selenskyjs Forderung nach neuen Sanktionen in Washington und den europäischen Hauptstädten an Zugkraft gewinnt oder ob der Diesel-Deal zwischen Trump und Putin die bislang blutigste Woche der Kritik übersteht. Die Trauerfeiern am Freitag in Dnipro und Tschernihiw werden den Druck aufrechterhalten.
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